Tipp des Monats
3 „Geheim“-Tipps gegen Budgetdefizite: Was machen profitable Krankenhäuser anders?
Immer mehr Krankenhausleitungen sehen keine Möglichkeit mehr, ihre Häuser unter den aktuellen Bedingungen wirtschaftlich zu führen und beschränken sich darauf, noch mehr Geld von der Politik zu fordern. Dennoch gibt es immer noch einige Häuser, die wirtschaftlich betrieben werden. Woran liegt das? Was machen diese Häuser anders?
Da viele unserer Kunden der letzten Jahre nicht in ihrer Existenz gefährdet sind, wissen wir, worauf es ankommt. Wir beobachten seit Jahren, dass die auf Kongressen, in Fachzeitschriften und in den sozialen Medien diskutierten Lösungsansätze häufig nichts bringen, gleichzeitig aber Lösungsansätze und Managementkonzepte, die sich als schnell und nachhaltig wirksam erwiesen haben, von vielen Krankenhäusern überhaupt nicht genutzt werden.
Mit den folgenden drei Tipps wollen wir daher Krankenhausleitungen, die aktuell ums Überleben Ihres Krankenhauses kämpfen, Hebel an die Hand geben, die kurzfristig umgelegt werden können, um ihr Krankenhaus ins sichere Fahrwasser zu bringen.
TIPP 1: FOKUSSIERUNG DES LEISTUNGSSPEKTRUMS
Niemand ist omnipotent. Wer alles für jeden macht, macht nichts richtig gut und oft zu teuer. Profitable Häuser fokussieren ihre Ressourcen konsequent auf marktführende Leistungsangebote und überwachen nicht die Primär- sondern die Stück-, sprich Fallkosten. Marktführend heißt, dass sie freiwillig (über den unmittelbaren Versorgungsauftrag hinaus) nur Leistungen anbieten, in denen Mengen erreicht werden, die mindestens mit denen umliegender Wettbewerber vergleichbar sind. Damit nutzen sie den Effekt der Erfahrungskurve: Der Anbieter mit der größten kumulierten Erfahrung bietet die Leistungen nicht nur in bester Qualität, sondern auch mit den niedrigsten Fallkosten an, weil sich Strukturkosten und Investitionen auf mehr (gleichartige) Fälle verteilen.
Die benötigten Instrumente finden sich in vielen Häusern: 1. Tools zur Markt-/Wettbewerbsanalyse und 2. eine prozesskostenbasierte Fallergebnisrechnung (InEK-Kalkulation!), die Analysen über den Ergebnisbeitrag von Fallgruppen und dessen Ursachen ermöglicht. Die meisten Häuser nutzen diese Systeme aber nicht oder kaum und leiten daher keine oder die falschen Konsequenzen daraus ab. Was häufig fehlt, ist die konsequente Anwendung von differenzierten Managementleitlinien und prozessualen Kostensenkungsansätzen für Fallgruppen mit unterschiedlicher Positionierung im Markt-/Wettbewerbsportfolio. Damit bleiben häufig enorme Potenziale zur Ergebnisverbesserung ungenutzt.
TIPP 2: VORAUSSCHAUENDES KAPAZITÄTS- UND RESSOURCENMANAGEMENT
Defizitäre Krankenhäuser fokussieren auf die Abrechnung, wirtschaftliche Krankenhäuser auf Prozesse und Ressourcen. Statt mit hohem Aufwand jeden Cent aus der Abrechnung herauszuquetschen, konzentrieren sich wirtschaftliche Krankenhäuser auf eine effiziente Nutzung ihrer knappen Ressourcen und die Vermeidung von Verschwendung. Wesentliche Prozesskennzahlen zur Auslastung, zur Be- und Überlastung, zur Termintreue und zu Warte- und Durchlaufzeiten werden permanent erhoben, mindestens täglich überwacht und sind Gegenstand regelmäßiger Gespräche mit den Verantwortlichen.
Wirtschaftliche Krankenhäuser reagieren dabei nicht nur zügig auf auftretende Schwankungen in Angebot und Nachfrage nach Kapazität und beseitigen die Ursachen für auftretende Prozessstörungen. Sie reagieren bereits auf sich abzeichnende Probleme und vermeiden dabei viel Unmut und Frustration bei Patienten und Beschäftigten.
TIPP 3: VERZICHT AUF UNWIRTSCHAFTLICHE INVESTITIONEN
Wir kennen kaum Krankenhausgeschäftsführungen, die anstehende Investitionen nur realisieren, wenn eine vorab durchgeführte Investitionsrechnung die Wirtschaftlichkeit bestätigt. Investiert wird, was gefördert wird – vielfach ohne Sinn und Verstand. So kommt es nicht nur zu baulichen und organisatorischen Investitionsruinen, sondern auch zu sinnlosen Investitionen in IT-Systeme. Falsch dimensionierte und prozessual ungeeignete OP-Trakte, Einsatz von maximal unwirtschaftlicher und medizinisch fragwürdiger OP-Robotik oder Digitalisierungsprojekte mit minimalem Effizienzgewinn und unerhörten Folgekosten (KHZG) sind leider noch immer die Regel.
Wirtschaftliche Krankenhäuser lassen sich durch Förderzusagen nicht blenden und verzichten konsequent auf Investitionen, die nicht unter realistischen Prämissen und auch in ungünstigen Zukunftsszenarien mit einer überschaubaren Amortisationszeit zu einer Verbesserung der wirtschaftlichen Lage führen.